Freitag, 7. November 2008

Herr Mobs und die Angst vor den Linken - Teil 5

Es sind noch zwei Tage bis zur Willkommens-Party der Nachbarn. Und Mobs ist hin- und hergerissen, ob er die Einladung annehmen soll oder nicht. Einerseits: Was hat er mit diesen linken Gottesleugnern zu schaffen? Sagt nicht das Wort Gottes ganz deutlich, dass der Gläubige nicht bei den Spöttern sitzen soll? Andererseits hat er schon viel von ‚Freundschaftsevangelisation’ gehört. Natürlich kann nicht von Freundschaft die Rede sein, wenn es um ihn und die neuen Nachbarn auf der anderen Straßenseite geht. Aber Evangelisation – ja, die bejaht er voll und ganz. Die Menschen müssen die Gute Nachricht doch hören, ob sie nun wollen oder nicht. Und dazu will er gerne beitragen.
Während Mobs vor sich hin grübelt, räumt seine Frau Uschi den Abendbrottisch ab. Dankbar betrachtet er sie. Sie, denkt er, weiß, wozu sie da ist. Und deshalb geht es ihr auch so gut. Er ist so froh, dass seine Uschi keine Selbstmordabsichten hegt, wie all die karrieresüchtigen Frauen, denen es nur um ihre Selbstverwirklichung geht. Das hat er bei Eva Herman gelesen. Und die weiß, wovon sie schreibt. Schließlich war sie selber mal so eine. Ja, die Herman hat schon recht: Die Schöpfungsordnung hat der Frau ihren Platz klar zugewiesen: zu Hause am Herd. Da gehört sie hin. Da geht es ihr gut. Denn sie ist ja das erhaltende, das häusliche, das Behaglichkeit schaffende Element, das dem männlichen Jäger den Rücken massiert. Hut ab vor der Redaktion des Cicero, die den Mut hatte, den Hermanschen Weckruf an die Nation abzudrucken. Und der Simon-Netto hat ja auch Recht: Man sollte sich öffentlich bei der Frau Herman entschuldigen. Wie übel der mitgespielt wurde! Wie gemein man ihre Aussagen verzerrt hat, nur weil man die Wahrheit, die sie verkündete, nicht hören wollte. Gott sei Dank haben unsere großen Evangelikalen sie ja quasi rehabilitiert, der große Hänssler und wie sie alle heißen. Die darf jetzt ja mit auf die tollen Traumschiff-Reisen, und die darf jetzt ja den Menschen erzählen, wie es wirklich von Anfang an gemeint war mit Mann und Frau und so. Nur komisch, denkt sich Mobs, dass Frau Herman immer erst von der Evolution redet und dann doch wieder von der Schöpfungsordnung. Das muss sie noch lernen. Aber sie ist ja auf einem guten Weg. Die betet jetzt sogar für Alice Schwarzer, dass die sich auch noch bekehrt! Die wird schon noch – die Herman, nicht die Schwarzer.
Also gut, denkt sich Mobs, wenn sogar Eva Herman für Alice Schwarzer betet, dann ist es vielleicht auch in Ordnung, wenn er sich zu den linken Spöttern gesellt. Mobs ist inzwischen ans Wohnzimmerfenster getreten und blickt hinüber in den nachbarlichen Vorgarten, in dem die Palästinenserflagge aggressiv im Wind flattert. Die junge Frau mit dem schönen Dekolleté, die ihn eingeladen hat, räumt dort gerade auf. Jetzt bückt sie sich und gewährt Herrn Mobs einen tiefen Einblick. Ja, denkt Mobs, ja, vielleicht ist Freundschaftsevangelisation tatsächlich das, was ich tun sollte.

(Herr Mobs ist eine Fortsetzungsgeschichte. Falls du den Anfang verpasst hast, findest du ihn hier.)