Donnerstag, 3. Juli 2008

Back to the Roots

Ich bin ein wenig sprachlos, weil ich nicht weiß, worüber es sich lohnen würde, zu reden oder zu schreiben. Vielleicht hängt es mit dem Gefühl zusammen, dass alles im Fluss ist. Wir professionellen Redner und Schreiber hauen unsere Lebensweisheiten am Fließband heraus. Und irgendwie ist alles so wichtig, so bedenkenswert, so zentral, so ... viel! Zu viel für meinen kleinen Kopf. Ich habe Sehnsucht nach den wenigen wirklich basalen Dingen des Lebens. Aber wem ginge das nicht so? Diese Sehnsucht nach dem wirklich Grundlegenden im Leben ist keine Auszeichnung. Sie ist eine völlig normale Reaktion auf das ideologische Überangebot unserer Tage. Sie ist der Nährboden für Fanatismus und Extremismus. Und gleichzeitig total menschlich und deshalb richtig.

Ich lese zur Zeit das Lukas-Evangelium. Ich versuche mich von dem kulturellen und theologischen Ballast zu befreien, den ich mit mir herumschleppe, und so unvoreingenommen zu sein, wie es nur geht. Das klappt natürlich nicht. Natürlich bin ich voreingenommen. Trotzdem kommt es mir so vor, als würde ich den Text zum ersten Mal lesen. Jesus kommt mir so bedrohlich anders vor als alles, was ich bisher über ihn gedacht oder gelernt habe. Es ist beängstigend und befreiend gleichzeitig.