Freitag, 11. Januar 2008

Christival und Homosexualität

Das Christival hat nach massiven Protesten der Grünen ein Seminar über Homosexualität abgesagt. Volker Beck hatte Ministerin van der Leyen aufgefordert, ihre Schirmherrschaft für das Christival abzugeben, weil dort 'gefährliche Psychokurse' angeboten würden.

Das Christival hat darauf mit einer Absage des Seminars reagiert, weil man nicht wolle, dass ein Seminar unter 225 anderen die gesamte Veranstaltung in ein schlechtes Licht rücke.

Die Reaktionen vieler Evangelikaler auf die Absage ist erwartungsgemäß ähnlich heftig, wie vorher die Angriffe der Grünen. Der Christival-Leitung wird vorgeworfen, eingeknickt zu sein und keinen Mut zum Bekenntnis bewiesen zu haben.

Ich persönlich halte die Entscheidung, das Seminar abzusagen, dagegen für die einzig mögliche und richtige. Die Botschaft, die Christen an Noch-Nicht-Christen weiterzugeben haben, ist nicht vor allem die, dass Homosexualität Sünde ist. Wenn Menschen um uns herum Christen allein mit dieser Aussage in Verbindung bringen, dann haben wir einfach alles falsch gemacht.

Ethische Fragen haben im innergemeindlichen Dialog eine sehr hohe Priorität. Im Dialog mit Menschen, die keine Christen sind, spielen sie eine untergeordnete Rolle. Das sollten alle jene Evangelikalen verstehen, die in diesen Stunden und Tagen Angriffe gegen das Christival reiten.

24 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

absolute inhaltliche zustimmung und ein fettes AMEN DAZU!!! schön, dass du auf deinem blog immer wieder dinge direkt beim namen nennst...mehr davon!

Elisabeth hat gesagt…

schließe mich meinem vorschreiber an!!!!

Hufi hat gesagt…

Ich stimme dir da auch voll zu!
Interessant dazu finde ich auch den Vorschlag von Frank Hartkopf auf idea-blog.de:

"Vielleicht wären die Christival-Organisatoren zu dem Thema gut beraten gewesen, auch einen Vertreter von Zwischenraum einzuladen - Christen, die versuchen ihre evangelikale Frömmigkeit mit ihrer homosexuellen Orientierung zu verbinden. So hätten man sich noch deutlicher des Vorwurfes von Volker Beck erwehren können, man mache 'gefährliche Psychokurse.'"

Tobias Faix hat gesagt…

Hatte gerade angefangen einen blogeintrag dazu zu schreiben, aber du hast alles geschrieben, was gesagt werden muss. Danke.

Christian hat gesagt…

Stimme dem auch zu. Man muss den Evangelikalen in den USA ja nicht alles nachmachen.
Feste Überzeugungen haben ist eine Sache, aber Weisheit manchmal eben noch einen Tick wichtiger.

Thomas hat gesagt…

Ich kann die Entscheidung sehr gut nachvollziehen und bin auch der Meinung, dass es schlecht wäre, wenn das Christival nur mit der Haltung zur Homosexualität in Verbindung gebracht werden würde. Und ich denke auch, dass die Art, wie viele Evangelikale mit dem Thema umgehen zu unsensibel ist. Wahrscheinlich war die Entscheidung richtig.

Allerdings frage ich mich auch, wo sowas anfängt und wo das aufhört. Dem Bildungsministerium passt womöglich das Seminar über Evolution und Schöpfung nicht, dem Zentralrat der Buddhisten das Seminar über Buddhismus und Esoterik, den Frauenrechtlern das Seminar über Abtreibung.

Schlimm genug, dass manche Themen in der Öffentlichkeit völlig totgeschwiegen werden, wird jetzt auch über die Christenheit ein Denkverbot verhängt?

Christopher hat gesagt…

@gofi: Auch wenn es schon merfach gesagt wurde: Deiner Einschätzung kann ich nur zustimmen.

@thomas: Zu deiner Sorge fallen mir zwei Dinge ein: Zum Einen der Rückverweis an Gofis Eintrag: Was ist denn eigentlich wirklich wichtig? Was sind die wirklichen Werte der christlichen Gemeinschaft? Reinheit und ethische Homogenität oder (Nächsten-)Liebe und Barmherzigkeit?

Das Andere: Ist dieser Vorgang im Ganzen nicht vielleicht ein Hinweis auf eine mangelnde Sensibilität christlicher Veranstalter? Gab es nicht allzu lange Festivals und Konferenzen, auf denen fragwürdige Einseitigkeiten zelebriert wurden, die von einer christlichen Subkultur gedeckt wurden? Ich habe nichts gegen kritische Auseinandersetzung. Aber warum dann nicht beide Seiten hören. Wenn ich von etwas wirklich überzeugt bin, habe ich nichts zu befürchten und kann wahrscheinlich eine Menge lernen...

dermob hat gesagt…

Ich schließ mich gerne auch noch an: sehr gut!

thomas hat gesagt…

@christopher: es geht mir nicht um ethische Homogenität, sondern um die frage, wie sehr man sich von außen dreinreden lassen muss.

ich habe auch nichts gegen eine kritische auseinandersetzung, auch mit evangelikalen überzeugungen. tabuisierung ist aber genau das gegenteil.

matti hat gesagt…

Hmm,

als Christen haben wir aber auch die Aufgabe, für Gottes Ordnungen einzustehen. Wenn es auch nicht unsere erste ist. Wenn wir nicht mehr bezeugen dürfen, was die Bibel Sünde nennt, weil z.B. die Grünen Alarm machen, haben wir offensichtlich Gegenwind. Was tun? Ich meine, wir sollen Zeugen sein. Nicht Richter, nicht Anwälte. Einfach nur gerade stehen, ohne die Leute zu belehren. Man muss das ja nicht auf Transparenten vor sich her tragen, wenn man Homosexualität Sünde nennt, sich auch nicht darauf reduzieren lassen. Ob Ausweichen hier die richtige Lösung ist, möchte ich bezweifeln. Von mangelndem Rückgrat will ich nicht sprechen - das würde ich für ungerecht halten. Ich fürchte aber trotzdem: Ausweichen ist hier die falsche Entscheidung.

Matti aus Bremen

Dichristins Blog hat gesagt…

Kann es sein, dass das Problem viel tiefer sitzt:

Wie kommt es, dass uns (ich schliesse mich da leider ein) immer alle unterstellen, dass wir in eine Richtung aussagen (manipulieren).

Ich habe zu vielen Themen eine feste Meinung und verfolge mit jedem Seminar (das ist zumindest Wunschdenken), dass sich Teilnehmer eine Meinung bilden und nicht meine übernehmen.

Wann schaffen wir es, dass Menschen Glauben und nicht unseren übernehmen?

Was bleibt bei dir an Meinung und Glauben übrig, wenn du ernsthaft reflektierst, was du bisher nur übernommen hast?

Matze

Christopher hat gesagt…

@thomas: Ich bin der Letzte, der mir gerne reinreden lässt! Darum muss ich meine Themen mit Bedacht wählen. Und ich empfinde eine gewisse Gedankenlosigkeit dabei, in einem (verzweifelten) Wahlkampfjahr die Steckenpferdthemen bestimmter Politiker unglücklich formuliert ins Scahufenster zu legen. Und nochmals: Ich persönlich halte es nebenbei für ein totales Randthema eines christlichen Festivals mit erwarteten 20.000 (oder mehr)TeilnehmerInnen. Darum verdient das Thema m.E. kein "Durchbeißen".

@matti: Ich persönlich möchte einem Mitmenschen nicht bekennen, was die Bibel "Sünde" nennt, sondern was Gott (und auch die Bibel) "Leben" nennt! So die Richtung "Glaube, Liebe, Hoffnung..." Das schließt für mich nicht aus, dass wir über "Sünde" ins Gespräch kommen, aber die erste Aufmerksamkeit gilt unserer Bestimmung, nicht unserer Begrenztheit!

dikosss hat gesagt…

1. Die Reaktion der Christival-Leute ist okay. Hat sein Gutes und sein Kritisches.

2. Wenn wir an das Heil der Menschen denken, dann haben ethische Fragen zunächst einen nachrangigen Platz zu besetzen.

3. Und doch:
Das Gesetz des AT oder vielleicht auch solche Hammersätze wie aus der Bergpredigt zeigen mir, dass ich mit meinem Sein und Tun vor Gott nicht bestehen kann.
In diesem Moment werden ethische Fragen zum relevanten Ansatz, hin zur Erlösung!!!
Das kann dann sogar das Thema "Homosexualität" sein.

4. Für die Momentaufnahme:
Die Absage des Seminars ist in Ordnung.
Für die dauerhafte Tendenz:
Mancher Christ muss sich fragen, ob er sich überhaupt noch zu solchen heißen Themen äußern will (z.B. auch Thema "Islam").
Wir sollten aufpassen, dass wir uns nicht mehr und mehr in unser frommes Schneckenhaus zurückziehen - bis man uns auch die Versammlung untersagt.

5. Hat sich schon mal eine christliche Lobby bei einem Partei-Tag eingemischt, mit der Forderung, einen Tagesordnungspunkt zu streichen, weil er die Minderheit der Christen diskrimieren würde?

Viel Segen,
Dirk.

Anonym hat gesagt…

Wenn das Thema (Nein zur) Homosexualität für Christen tatsächlich so zentral sein soll, wie das einige (wenige) Blogbeiträge angeben, dann müßte es doch in der Bibel auch eine zentrale Rolle spielen, oder zumindestens eine Abhandlung dazu geben. Die wenigen bibl. Randbemerkungen dazu scheinen dann aber auch noch von was anderem zu reden als von liebevollen monogamen gleichgeschlechtlichen Beziehungen!

Daniel hat gesagt…

Ich finde es bedauerlich, dass das Seminar abgesagt wurde. Ich denke, es wäre eine Chance gewesen zu zeigen worin christliche Ethik besteht. Natürlich hätte das auch bedeutet, dass das Thema das Christival stärker geprägt hätte. Ein Podiumsgespräch zwischen Volker Beck & Roland Werner, eine Einladung von Zwischenraum - warum denn nicht. "Jesus bewegt" - das wäre doch eine Chance gewesen zu zeigen, dass wir nicht nur klamm heimlich hinter verschlossenen Türen, sondern auch in der Öffentlichkeit zu unserer Meinung und zu unseren Überzeugungen stehen können. Es wäre eine Chance gewesen zu zeigen, dass wir Menschen lieben, auch wenn wir unterschiedliche Ansichten vertreten. Schade, dass eine solche Chance einfach verpasst wurde. Schade, dass der intolerante Stil von Homosexuellen wieder einmal erfolg hatte.

andib hat gesagt…

@gofi: Amen!

@Daniel: Bist du wirklich der Meinung, dass sich die Sache mit der Homosexualität eignet, um zu zeigen worin christliche Ethik besteht? Ich hoffe nicht! Zumindest halte ich das Doppelgebot der Liebe für geeigneter.

Eine Diskussion oder ein Podium mit Hernn Beck u.a. über Homosexualität hätte sicher das ganze Medienecho über das Christival bestimmt und der ganzen Veranstaltung geschadet!

Anonym hat gesagt…

@all
einerseits: die sorge, die sich christen um ihr bild in der öffentlichkeit machen, ist nachgerade unerträglich geworden. und hierzu findet sich tatsächlich kein auch nur noch so kleiner absatz in der bibel, der anderes besagte, als dass es völlig aussichtslos sei, sich mit der welt liebkind zu machen. hier gehen christen offenkundig der quotengeilheit und der pressehörigkeit der welt auf den leim.
dennoch: das bedeutet keineswegs, dass ich das abgesagte seminar für unbedingt durchsetzungswürdig hielte. auch die themensetzung zeigt, wie sehr christen sich - und sei es ex negativo - von der welt lenken lassen. man darf wohl fragen, ob die hoffnungslose einengung ethischer fragen auf die sexualethik, wie sie in den letzten jahrzehnten unter christen stattfand, sich tatsächlich einer gründlichen auslegung der heiligen schrift verdankt, oder gar der besonderen beachtung des gebotes der nächstenliebe, oder nicht doch vielmehr der irritation durch eine sich zunehmend verändernde, sexualisierende und pornographiesierende gesellschaft und den damit einhergehenden zweifeln an der eigenen, biblisch bestimmten (oder auch oft nur kleinbürgerlich konservativen) lebensweise.
andererseits: liest man die bibel nur ein wenig genauer, so wird man leicht feststellen, dass die ehe- und sexualethik zwar präzise formuliert ist, dass sie aber gegenüber den anderen ethischen themen eine eher untergeordnete rolle spielen. das thema geiz/habgier als sünde wird bei weitem ausführlicher behandelt als das thema ehebruch...
führt nicht so die negative wie positive überbetonung des eros und sexus (von den schwierigkeiten der unterscheidung beider unter christen sei hier abgesehen; damit könnte man bände füllen...) eher weg von den zentralen fragen eines christlichen lebens? diese frage geht natürlich über das diskutierte problem hinaus, scheint mir aber seinen wurzeln näher zu kommen.
außerdem: es wäre an dieser stelle vielleicht interessant, darüber nachzudenken, wie Paulus zu beginn des römerbriefes die sexuelle verwirrtheit der menschen mit der idee, die wir heute aufklärung - im philosophischen sinne - nennen würden, in verbindung bringt.
außerdem 1: eine rein auf den erfolg oder mißerfolg einer christlichen großveranstalltung ausgerichtete diskussion erscheint mir wenig sinnvoll...
außerdem 2: die frage nach der möglichkeit von homosexualität ist in der bibel eindeutig beantwortet, ich sehe nicht, wie hier eine diskussion sinnvoll zu führen wäre...
außerdem 3: ist es nicht - zumindest im umgang mit ungläubigen - völlig müßig, welcher sexuellen ausrichtung sie geneigt sind? oder fragt irgendwer seinen gegenüber immer zuerst, ob er schon einmal das finanzamt beschissen habe oder seine kleine schwester geohrfeigt? gilt denn nicht das gebot der nächstenliebe unabhängig von jeglicher verfehlung des gegenüber? und wird nicht dann das lebendigste zeugnis eines christen darin bestehen, homosexuellen mit der gleichen liebe zu begegnen wie steuerbetrügern (aber auch mit der GLEICHEN biblisch fundierten konsequenz)?
dennoch: das fragen der sexualethik für christen in einer pornographischen gesellschaft von bedeutng sind ist nicht zu leugnen. wenn sie allerdings nicht primär das verhältnis von christen zu ungläubigen betreffen, wäre ihre klärung vielleicht in einem anderen rahmen besser aufgehoben, als in einer auf evangelisation ausgerichteten veranstaltung...
einwand: auch jesus hat unter anderem dadurch gewirkt, dass er die sünde beim namen nannte und eben nicht verschwieg. also doch ja zu diesem semniar? ich weiss es nicht... vielleicht, wenn all dem die liebe zu den menschen, unabhängig von ihrem tun, vorrangeht. und wenn es sich nicht bloss um die positionsbestimmung einer immer verwirrteren christenheit handelt.

wie man sieht, ist mir die frage, ob seminar oder nicht, verhältnismäßig egal... aber ich meine, es wäre kein schaden, stellte man die diskussion darüber auf vernünftige grundlagen...

@gottfried: ich beobachte deinen blog schon geraume zeit, habe ihn bisweilen auch kommentiert - nicht nur freundlich, wie du weisst. ich weiss nicht... es wird wohl dem medium geschuldet sein... aber nicht selten ärgere ich mich über den eindruck, dass hier ein vollzeitler relativ gut durchdachten text serviert, dann einige kommentare kassiert, sich selbst aber dann raushält, die diskussion, die z.b. diesmal auf recht hohem niveau verläuft im sande verläuft...
nun, ich hoffe, dass sie zumindest an anderer, vielleicht weniger exponierter stelle weitergeführt wird...
nebenbei: wahrscheinlich wäre der zeitaufwand wirklich zu hoch und vielleicht ist ein blog dafür auch einfach ungeeignet... nichts für ungut...

nebenbei 1: wenn dich das nervt, lösch es einfach, ich hab jedes verständnis dafür, würd's vielleicht selbst auch machen...

wie auch immer: mit den besten grüßen

andrenio

p.s.: dein neues motto - oder wie man das nennen soll - wäre tatsächlich diskussionswürdig: kapitalismus etc. wobei ich befürchte, dass es dann wirklich kompliziert wird... die ideen von revolutionären telos und kairos bei marx als gegenstück zu ihren christlichen vorgängern, utopie und heilsgeschichte, negative dialektik... was ich andeuten will: das anreissen eines solchen themas ist an sich schon sinnvoll und notwendig. doch wer hat die zeit und den nerv solche fragen angemessen zu diskutieren? und als ganz ehrliche frage: wird das irgendwo gemacht (in ernstzunehmender weise)? das schlagwort allein ist ein anfang...
was dann?
oder mit lenin (1902): was tun?

p.s. 1: die offensichtlich unübliche länge meiner kommentare deutet auf die untauglichkeit des mediums, ein höheres maß an komplexität zu verarbeiten (...oder auf meine unfähigkeit, mich kurz zu fassen (sic!)).

Uli hat gesagt…

Ich denke die Christival Entscheidung war ein großer Fehler, der noch weiterreichende Konsequenzen haben wird.

1. Es geht doch nicht vordergründig um die Frage, ob Homosexualität Sünde ist oder nicht. Auch die Veranstalter des Seminares erklären doch (siehe homepage) klar, dass sie die das jedem Betroffenen selbst überlassen.

2. Darf es Menschen geben, die ihre sexuelle Orientierung als konflikthaft erleben? Darf man solchen Menschen helfen?

3. Von den "fundamentalistischen Aktivisten der gay bewegung" wird immer wieder behauptet, dass eine Veränderung der sex. Orientierung nicht möglich und auch nicht notwendig ist. Doch wer entscheidet das denn? Andere Vorbilder werden gewissenhaft geleugnet oder diffamiert. Wer das nachprüfen will, muss nur unter Homosexualität und Christus googlen. Eine echte Diskussion findet nicht statt, weil die Ideologie "nicht möglich und nicht notwendig" quer durch Gesellschaft, Politik, Kirche, Wissenschaft verbreitet wird, ohne dass eine echte Auseinandersetzung möglich gemacht wird. Darum geht es um Werte wie Liebe, Barmherzigkeit und Akzeptanz. Hier hätte das Christival Chance und meiner Meinung nach auch Aufgabe gehabt, einer biblischen Position Gehör zu geben. Man muss den Veranstaltern ja gar nicht in allen zustimmen, ihnen aber kein Platz zu geben ist schlimm.

4. Natürlich ist es nicht die Hauptaufgabe des Christivals eine eindeutige Position zu dem Thema aufzustellen oder entsprechende christliche Gruppen aufzustellen. Doch, wenn das C. zu dem Thema sich nicht äußert, wer dann? Das C. ist nun die größte Veranstaltung dieser Art und hat darum auch eine öffentliche Verantwortung.

5. Die Opfer sind nun die Christen und Organisationen, die sich in verantwortlicherweise um homosexuelle Menschen kümmern. Wer noch andeutet, dass Veränderung geschehen kann, wird noch mehr in die "Fundi" - Ecke geschoben und damit mundtot gemacht werden. Ganz zu schweigen von Betroffenen. Dem christlichen und gesellschaftlichen Mainstream mag das nur ein Randthema sein, für die Betroffenen ist es zentral. Schade, dass Christen da nicht zusammenhalten.

6. Die einzige Chance sehe ich darin, dass das die Christivalleitung nun eine eigene Veranstaltung zum Thema macht. Vielleicht können sie das ja besser, wenn sie es den anderen nicht zutrauen.

Gofi Müller hat gesagt…

Liebe/r Uli,

die Leitung des Christival war ziemlich deutlich darin, warum sie das Seminar absagen musste.

Die eigene Position zur Homosexualität wurde nicht in Frage gestellt. Aber es wurde festgestellt, dass eine sachliche und schonende Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht mehr möglich ist - zum Nachteil Betroffener. Das Seminar dennoch - aus Gründen des Bekenntnisses - durchzudrücken, wäre unverantwortlich gewesen. Und völlig kontraproduktiv, denn beim Christival geht zuerst um Jesus, und nicht um sexualethische Fragen.

Dass die Leidtragenden jetzt jene Christen sind, die sich darum bemühen, Betroffenen zu helfen, ist einfach falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Niemand kann in einer aufgeheizten Atmosphäre verantwortungsbewusst und seelsorgerlich arbeiten.

Und zuletzt: Gerade jene, die sich dazu entschieden haben, das Seminar abzusagen, waren es, die sich in den vergangenen Jahren stark im Bereich Homosexualität engagiert haben. Dafür haben sie immer wieder heftig in die Fresse bekommen, während die evangelikale Mehrheit schweigend zusah. Ausgerechnet ihnen Duckmäusertum vorzuwerfen, ist lächerlich.

Gofi Müller hat gesagt…

Lieber Andrenio,

ich habe 2 Probleme mit deinen Einträgen:

1. Ich verstehe sie oft nicht. Komplexität ist ja gut und schön. Aber du pflegst einen sehr assoziativen und - Entschuldigung - schlecht durchdachten Stil. Herauskommt ein ziemliches Wirrwarr. Auch wenn ich finde, dass einige deiner Gedanken echt gut sind. Ganz sicher bist du ein schlauer Kopf. Aber auch ein ziemlich wirrer, wie mir scheint.

2. Du bist manchmal einfach unhöflich. Ich habe nichts gegen Schärfe im Ton. Aber sie muss begründet sein. Bei dir finde ich sie oft unmotiviert. Mir kommt es so vor, als wolltest du dich profilieren. Das aber ist nicht das Kennzeichen eines scharfen Kritikers, sondern eines Arschlochs. Ich sage nicht, dass du ein Arschloch bist. Aber du benimmst dich hier manchmal so. Das passt mir nicht, wie du dir vielleicht denken kannst.

Übrigens: Du hast völlig Recht, ich kann unmöglich so eine Diskussion moderieren und auf jeden Kommentar antworten. Dafür fehlt mir die Zeit. Der Sinn dieses Blogs ist es, zum Nachdenken anzuregen. Außerdem kann man hier erfahren, welche Postionen oder Fragen ich habe. Mehr ist es eigentlich nicht.
Wer mehr will, muss woanders suchen.

Uli hat gesagt…

gofi: Danke für Deine Antwort! Erstmal glaube ich Dir schon, dass sich da die Leitung ihre Entscheidung gut überlegt hat und ich habe auch Respekt vor ihrem Einsatz zu dem Thema.
Dennoch, ich habe selber zu diesem Thema viel auf die Fresse bekommen. Keine Sorge - ich bin bestimmt keiner der engen Christen, die Evangelium mit Moral verwechseln. Es ist einfach viel zu einfach, Christen die sich in diesem Thema engagieren schnell als Moralapostel zu abzustempeln.

Bei der Brisanz dieses Themas hätte eigentlich von Anfang an klar sein müssen, dass das Christival keinen Rahmen für eine seelsorgerliche Beschäftigung liefern kann. Wohl aber für Aufklärung und eventuell Diskussion. Dass man sich da auf was einlässt muss eigentlich jedem klar sein, der nur etwas dieses Thema verfolgt.
Jedoch, wenn nicht auf dem Christival wo dann?
Sicher ist das auch eine Überforderung nur einzelner Seminarleiter. Aber, wenn das Christival diese Auseinandersetzung nicht will, dann hätten sie das von Anfang an nicht zulassen sollen.

Es geht doch darum, dass hier eine Meinung mundtot gemacht wird.
Ich fürchte, dass in Zukunft Christen, die nur im geringsten den öffentlichen Mainstream nicht folgen als gefährliche Radikale gebrandmarkt werden. "Selbst das Christival hat so ein Seminar gestrichen". Einzelheiten der Begründung werden in Vergessenheit geraten.

Darum bleibe ich dabei: Die Leidtragenden sind die Christen, die hier sich einsetzen, aber nicht die Lobby vom Christval haben.
Du hast Recht die evangelikale Mehrheit schaut leider meist nur zu. Ich wünsche mir immer noch, Christivalleitung würde nicht zu dieser Mehrheit gehören. Darum hoffe ich, dass nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Gofi Müller hat gesagt…

Lieber Uli,

ja, dein Argument kann ich nachvollziehen, dass es von Anfang an hätte klar sein müssen, was passiert, wenn man so ein Seminarthema anbietet - zumal in einer Stadt wie Bremen, die von rot-grün regiert wird und die für ihre liberalen Einstellungen bekannt ist. Da wäre es möglicherweise tatsächlich besser gewesen, das Thema erst gar nicht anzubieten, anstatt es erst anzubieten und dann wieder zurückzuziehen.

Ich persönlich halte die Entscheidung dennoch für richtig. Vielleicht unterschätze ich die Lobby des Christival und die damit verbundene Signalwirkung. Aber ich persönlich möchte lieber öffentlich über Jesus diskutieren, als über Homosexualität.

Absolut Recht gebe ich dir bei deiner Einschätzung, was die Zukunft betrifft: Wir werden noch öfter 'unangenehm' auffallen. Müssen das auch. Aber in welchen Fällen man sich einer öffentlichen Debatte stellt und in welchen man sich lieber daraus zurückzieht, das muss von Situation zu Situation entschieden werden. Dazu gehört viel Weisheit. Wie weise die Entscheidung der Christival-Leitung war, wird die Zukunft zeigen.

Thomas hat gesagt…

Es geht weiter, diesmal um das Seminar über Abtreibung: pro Medienmagazin.

Gofi Müller hat gesagt…

Ja, ich habs mitgekriegt. Jetzt führt wohl tatsächlich kein Weg mehr an einer offenen Konfrontation vorbei. Beten wir, dass es immer noch Jesus ist, der im Mittelpunkt steht, und keine Show- und Neben-Debatten.