Montag, 29. Juni 2009
Donnerstag, 25. Juni 2009
Mein Kommentar zum NDR-Feature
Der NDR macht (mal wieder) anti-evangelikales Programm. Schaut's euch an.
Hier ist mein dort hinterlassener Kommentar:
Sehr geehrte Autorin dieses Beitrags,
ich bin ein evangelikaler Prediger und damit einer der von Ihnen angesprochenen 'evangelikalen Missionare'. Ich habe eine Sicht auf die Wirklichkeit, an die ich glaube. Als Prediger versuche ich diese Sicht anderen eloquent und nachvollziehbar zu vermitteln. Ich glaube, dass ich mit meiner Sicht der Dinge Recht habe (das glauben recht viele Menschen von sich selbst). Deshalb freue ich mich, wenn andere meine Sicht teilen, vielleicht sogar übernehmen.
Sie, liebe Autorin, tun genau dasselbe. Bei so einem Beitrag, wie dem obigen, handelt es sich um Ihre persönliche Sicht auf die Dinge, er ist Ihre Interpretation der (vermeintlichen) Fakten. Sie haben den Anspruch an die Zuschauer, dass Sie Ihnen Ihre Sicht der Dinge abnehmen, sie Ihnen glauben. Wenn das also Mission ist, dann sind sie als Journalistin auch Missionarin. Sei's drum. Dann sind sie es eben.
Die wirkliche Frage kommt erst jetzt: Wie lauter sind Sie in Ihren Missionsversuchen? Lassen Sie Kritik an Ihrer Position zu? Verwenden sie die recherchierte Information fair und unparteiisch? Lassen sie die Gegenseite angemessen zu Wort kommen? Haben sie von Anfang an eine vorgefertigte (oder sagen wir: redaktionell vorgegebene) Meinung?
Dass letzteres der Fall ist, scheint beim Betrachten Ihres Beitrages nahe zu liegen, sind doch die Autoren des von Ihnen genannten Buches Journalistenkollegen aus der NDR-Redaktion. Könnte es sein, dass das traurige Ereignis aus dem Jemen eine (wie Sie vielleicht meinten) 'geeignete' Gelegenheit war, einen schon länger fertig gestellten Beitrag 'abzufeuern' (liegt doch die Aufregung um die Q-Rage schon ein Weilchen zurück)? Wenn das der Fall ist, bin ich darüber einigermaßen schockiert, dass sie die Nerven haben, auf eine so erschütternde Geschichte quasi 'draufzuspringen'. Das haben die Mordopfer nicht verdient.
Noch ein Wort zu den von Ihnen angesprochenen Droh- und Schmäh-Briefen bzw. Morddrohungen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Menschen, die sich Evangelikale nennen, zu so etwas fähig sind. Der Begriff Evangelikale vermittelt den Eindruck einer homogenen Gruppe von Menschen. Der Eindruck täuscht. Er ist ungefähr so präzise wie der Begriff 'Araber'. Manches, was sich evangelikal nennt, ist mir als Evangelikalem peinlich. Und so geht es vielen Evangelikalen. Den Beweis jedoch, dass die Morddrohungen tatsächlich von Evangelikalen stammen, ist der Bericht schuldig geblieben. (Die Nicknames in den gezeigten Internet-Kommentaren lauten 'Arminius1984' oder 'Widukind_ltd', was eher nach rechtsextremen Kreisen klingt als nach , Ihr O-Ton: "scheinbar harmlosen Gläubigen", zumindest wenn man nicht davon ausgeht, dass ein Christ sich nach dem sächsischen Fürsten Widukind benennt, der von Karl dem Großen zwangschristianisiert wurde). 'Dem' Evangelikalen 'an sich' also ohne weiteres die Fähigkeit in die Schube zu schieben, dass er für seine Überzeugungen notfalls auch mordet oder auch nur damit droht - das geht sehr (!) weit. Und wissen sie was? Ich glaube Ihnen nicht, dass sie das nicht wussten.
Über die Annahme, dass die angeblich mächtige und reiche Evangelische Allianz nur darauf wartet, politisch irgendwann das Steuer zu übernehmen, muss man nichts sagen. Es ist zu absurd. Von der Struktur jedoch erinnert diese Behauptung an anti-semitische Propaganda. Ich bin natürlich davon überzeugt, dass das nur zufällig der Fall ist.
Hier ist mein dort hinterlassener Kommentar:
Sehr geehrte Autorin dieses Beitrags,
ich bin ein evangelikaler Prediger und damit einer der von Ihnen angesprochenen 'evangelikalen Missionare'. Ich habe eine Sicht auf die Wirklichkeit, an die ich glaube. Als Prediger versuche ich diese Sicht anderen eloquent und nachvollziehbar zu vermitteln. Ich glaube, dass ich mit meiner Sicht der Dinge Recht habe (das glauben recht viele Menschen von sich selbst). Deshalb freue ich mich, wenn andere meine Sicht teilen, vielleicht sogar übernehmen.
Sie, liebe Autorin, tun genau dasselbe. Bei so einem Beitrag, wie dem obigen, handelt es sich um Ihre persönliche Sicht auf die Dinge, er ist Ihre Interpretation der (vermeintlichen) Fakten. Sie haben den Anspruch an die Zuschauer, dass Sie Ihnen Ihre Sicht der Dinge abnehmen, sie Ihnen glauben. Wenn das also Mission ist, dann sind sie als Journalistin auch Missionarin. Sei's drum. Dann sind sie es eben.
Die wirkliche Frage kommt erst jetzt: Wie lauter sind Sie in Ihren Missionsversuchen? Lassen Sie Kritik an Ihrer Position zu? Verwenden sie die recherchierte Information fair und unparteiisch? Lassen sie die Gegenseite angemessen zu Wort kommen? Haben sie von Anfang an eine vorgefertigte (oder sagen wir: redaktionell vorgegebene) Meinung?
Dass letzteres der Fall ist, scheint beim Betrachten Ihres Beitrages nahe zu liegen, sind doch die Autoren des von Ihnen genannten Buches Journalistenkollegen aus der NDR-Redaktion. Könnte es sein, dass das traurige Ereignis aus dem Jemen eine (wie Sie vielleicht meinten) 'geeignete' Gelegenheit war, einen schon länger fertig gestellten Beitrag 'abzufeuern' (liegt doch die Aufregung um die Q-Rage schon ein Weilchen zurück)? Wenn das der Fall ist, bin ich darüber einigermaßen schockiert, dass sie die Nerven haben, auf eine so erschütternde Geschichte quasi 'draufzuspringen'. Das haben die Mordopfer nicht verdient.
Noch ein Wort zu den von Ihnen angesprochenen Droh- und Schmäh-Briefen bzw. Morddrohungen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Menschen, die sich Evangelikale nennen, zu so etwas fähig sind. Der Begriff Evangelikale vermittelt den Eindruck einer homogenen Gruppe von Menschen. Der Eindruck täuscht. Er ist ungefähr so präzise wie der Begriff 'Araber'. Manches, was sich evangelikal nennt, ist mir als Evangelikalem peinlich. Und so geht es vielen Evangelikalen. Den Beweis jedoch, dass die Morddrohungen tatsächlich von Evangelikalen stammen, ist der Bericht schuldig geblieben. (Die Nicknames in den gezeigten Internet-Kommentaren lauten 'Arminius1984' oder 'Widukind_ltd', was eher nach rechtsextremen Kreisen klingt als nach , Ihr O-Ton: "scheinbar harmlosen Gläubigen", zumindest wenn man nicht davon ausgeht, dass ein Christ sich nach dem sächsischen Fürsten Widukind benennt, der von Karl dem Großen zwangschristianisiert wurde). 'Dem' Evangelikalen 'an sich' also ohne weiteres die Fähigkeit in die Schube zu schieben, dass er für seine Überzeugungen notfalls auch mordet oder auch nur damit droht - das geht sehr (!) weit. Und wissen sie was? Ich glaube Ihnen nicht, dass sie das nicht wussten.
Über die Annahme, dass die angeblich mächtige und reiche Evangelische Allianz nur darauf wartet, politisch irgendwann das Steuer zu übernehmen, muss man nichts sagen. Es ist zu absurd. Von der Struktur jedoch erinnert diese Behauptung an anti-semitische Propaganda. Ich bin natürlich davon überzeugt, dass das nur zufällig der Fall ist.
Montag, 15. Juni 2009
Ach, du Schande!
Neulich, als ich mich mal wieder selbst googelte, kam mir dieses Bild unter. Gerade wollte ich lachen und mich über die Dummheit der Seitenbetreiber wundern, schien mir doch offensichtlich, dass das Foto nicht mich, sondern entweder Dirk Bach oder einen dicklichen 16jährigen zeigt, der gerade ein selbst erdachtes Gedicht deklamiert. Bei näherem Hinsehen jedoch verging mir das Lachen. Ich bin es tatsächlich.
Donnerstag, 4. Juni 2009
Herr Mobs und die Angst vor den Linken - Teile 8-10
Das Gespräch mit Hans und Martin ist erfreulich und verstörend zugleich. Beide sind ausgesprochen nett und zuvorkommend. Gleichwohl: Mobs ist auf für ihn unverständliche Weise erregt. Er trinkt seinen Wein zu hastig und schenkt sich nach, noch bevor er Uschis zurückhaltend mahnende Geste bemerkt. Was machen sie denn so beruflich, will Uschi von Hans wissen, um das Gespräch in unverfängliche Gefilde zu lenken. Ich bin Frührentner, antwortet Hans freundlich. Aber arbeitslos ist er deshalb noch lange nicht, schaltet sich Martin lächelnd ins Gespräch ein. Hans pflegt seine alte Mutter. Schon seit acht Jahren. Ach was? räuspert sich Herr Mobs. Dafür gibt es doch Pflegeheime. Haben sie sich die schon mal angeschaut? fragt Hans und rollt mit den Augen. Also, ich möchte da nicht liegen. Bewundernswert, sagt Uschi gerade, erfreut über ein so nettes Gesprächsthema, da kann Mobs sich nicht mehr beherrschen. Völlig zusammenhangslos feuert er seinen Kommentar ab. Also, wir Christen glauben ja, dass Homosexualität Gott ein Greuel ist. Das sagt jedenfalls die Heilige Schrift. Und daran, sagt Mobs und geift nach Uschis Hand, glauben ich und meine Frau ganz fest. Hans und Martin versuchen ihr freundliches Lächeln beizubehalten. Es gelingt ihnen nicht so gut. Ach so, sagt Hans. Sie denken da zum Beispiel an die Stelle aus dritte Mose 18? Äh ja, antwortet Mobs erstaunt, woher wissen … Darf ich fragen, gnädige Frau, wendet sich Hans nun nicht ohne eine gewisse Schärfe an Uschi, ob sie auch für die Zeit ihrer Monatsblutung das Haus ihres Gatten verlassen und irgendwo im Wald Unterschlupf suchen? Schließlich sagt die Heilige Schrift doch auch, dass eine Frau während ihrer Regel unrein ist und die Gemeinschaft der anderen meiden soll, um sie nicht auch zu verunreinigen. Sie kennen sich in der Bibel aus? stottert Uschi peinlich berührt. Ich bin Christ, sagt Hans lakonisch. Ich bete jeden Tag.
Uschi ist mittlerweile nach Hause gegangen. Sie hat Kopfschmerzen, wahrscheinlich ausgelöst durch das pausenlos Fiebsen und Rummsen der Musik. Mobs dagegen findet den Roten, der hier ausgeschenkt wird, ganz hervorragend und bleibt noch ein wenig. Nachdem er sich recht abrupt von Hans und Martin verabschiedet hat, streift er durch die Räume der Linken-WG, beobachtet die Partygäste und sucht, ohne es sich selbst einzugestehen, die schöne Gastgeberin mit dem großen Dekolleté. Der Wein versetzt ihn in eine entspannte Stimmung, die anfängliche Anspannung ist verflogen. Daher bemerkt er auch gar nicht die distanzierten und zuweilen offen unfreundlichen Blicke der anderen Gäste. Im Wohnzimmer an der gegenüberliegenden Seite bemerkt Mobs eine angeregte Diskussion mehrer Linker. Wenn er nicht fest davon ausgehen würde, dass die Linken ja prinzipiell alle gut miteinander befreundet sind (schließlich duzt hier jeder jeden), würde er er denken, das die Diskutanten in Wirklichkeit miteinander streiten. Da passiert es: Ein junger Nickelbrillenträger mit fettigem Seitenscheitel erhebt sich plötzlich und packt einen leicht ergrauten Kickermattenträger mit Mittelscheitel und Woody-Allen-Brille am Kragen. Der wehrt sich. Die Luft ist erfülllt von Heys und Moment-mals. Da dreht sich der Nickelbrillenträger um und stürmt über die Tanzfläche zum Ausgang. Erregt erhebt sich die ergraute Kickermatte und brüllt dem Flüchtenden etwas nach, was Mobs zwar akkustisch, aber nicht inhaltlich versteht: „Der Islamismus ist eine genuin kapitalistische Krisenideologie ökonomisch abgehängter, aber dennoch dem Verwertungsprozeß unterworfener Gesellschaften und Schichten!!!“ Verständnislos und leicht verwirrt schenkt Mobs sich Rotwein nach. Das wird ja immer spannender.
Nachdem die Musik wieder eingesetzt hat und sich alle beruhigt haben, schlendert Mobs wie zufällig hinüber zu der Gruppe der Diskutanten. Das eben noch angeregte Gespräch verstummt schlagartig. Doch die Gesichter, die sich ihm nun zuwenden, sprechen eine deutliche Sprache. Hallo, haspelt Mobs verlegen. Ich bin der Nachbar. Aber wir sind nicht deine Nächsten, höhnt ein junger Mann, Typ Informatikstudent, und die Gruppe bricht in leicht hysterisches Gelächter aus. Mobs, dessen Wahrnehmung durch den Wein nicht unerheblich getrübt ist, lächelt dümmlich. Haha, na ja, wie sie meinen. Worüber haben sie sich denn gerade so angeregt unterhalten? Das interessiert einen Faschisten wie dich sowieso nicht, zischt der Informatikstudent. Wieso sollten wir den Klassenfeind einweihen? Diesmal reagiert die Gruppe gar nicht, sondern wartet stumm auf Mobs’ Reaktion. Mobs, der allmählich merkt, dass die Gruppe ihm nicht feundlich gesonnen ist, steigt eine Mischung aus Zornes- und Weinesröte ins Gesicht. Na ja, murmelt er bockig, was soll’s, ich geh dann mal ne Abtreibungsklinik in die Luft jagen. Prustend, weil er über seinen eigenen Witz lachen muss, wendet er sich ab und geht leicht torkelnd über die Tanzfläche, begleitet von den giftigen Blicken der Gruppe.
Uschi ist mittlerweile nach Hause gegangen. Sie hat Kopfschmerzen, wahrscheinlich ausgelöst durch das pausenlos Fiebsen und Rummsen der Musik. Mobs dagegen findet den Roten, der hier ausgeschenkt wird, ganz hervorragend und bleibt noch ein wenig. Nachdem er sich recht abrupt von Hans und Martin verabschiedet hat, streift er durch die Räume der Linken-WG, beobachtet die Partygäste und sucht, ohne es sich selbst einzugestehen, die schöne Gastgeberin mit dem großen Dekolleté. Der Wein versetzt ihn in eine entspannte Stimmung, die anfängliche Anspannung ist verflogen. Daher bemerkt er auch gar nicht die distanzierten und zuweilen offen unfreundlichen Blicke der anderen Gäste. Im Wohnzimmer an der gegenüberliegenden Seite bemerkt Mobs eine angeregte Diskussion mehrer Linker. Wenn er nicht fest davon ausgehen würde, dass die Linken ja prinzipiell alle gut miteinander befreundet sind (schließlich duzt hier jeder jeden), würde er er denken, das die Diskutanten in Wirklichkeit miteinander streiten. Da passiert es: Ein junger Nickelbrillenträger mit fettigem Seitenscheitel erhebt sich plötzlich und packt einen leicht ergrauten Kickermattenträger mit Mittelscheitel und Woody-Allen-Brille am Kragen. Der wehrt sich. Die Luft ist erfülllt von Heys und Moment-mals. Da dreht sich der Nickelbrillenträger um und stürmt über die Tanzfläche zum Ausgang. Erregt erhebt sich die ergraute Kickermatte und brüllt dem Flüchtenden etwas nach, was Mobs zwar akkustisch, aber nicht inhaltlich versteht: „Der Islamismus ist eine genuin kapitalistische Krisenideologie ökonomisch abgehängter, aber dennoch dem Verwertungsprozeß unterworfener Gesellschaften und Schichten!!!“ Verständnislos und leicht verwirrt schenkt Mobs sich Rotwein nach. Das wird ja immer spannender.
Nachdem die Musik wieder eingesetzt hat und sich alle beruhigt haben, schlendert Mobs wie zufällig hinüber zu der Gruppe der Diskutanten. Das eben noch angeregte Gespräch verstummt schlagartig. Doch die Gesichter, die sich ihm nun zuwenden, sprechen eine deutliche Sprache. Hallo, haspelt Mobs verlegen. Ich bin der Nachbar. Aber wir sind nicht deine Nächsten, höhnt ein junger Mann, Typ Informatikstudent, und die Gruppe bricht in leicht hysterisches Gelächter aus. Mobs, dessen Wahrnehmung durch den Wein nicht unerheblich getrübt ist, lächelt dümmlich. Haha, na ja, wie sie meinen. Worüber haben sie sich denn gerade so angeregt unterhalten? Das interessiert einen Faschisten wie dich sowieso nicht, zischt der Informatikstudent. Wieso sollten wir den Klassenfeind einweihen? Diesmal reagiert die Gruppe gar nicht, sondern wartet stumm auf Mobs’ Reaktion. Mobs, der allmählich merkt, dass die Gruppe ihm nicht feundlich gesonnen ist, steigt eine Mischung aus Zornes- und Weinesröte ins Gesicht. Na ja, murmelt er bockig, was soll’s, ich geh dann mal ne Abtreibungsklinik in die Luft jagen. Prustend, weil er über seinen eigenen Witz lachen muss, wendet er sich ab und geht leicht torkelnd über die Tanzfläche, begleitet von den giftigen Blicken der Gruppe.
Freitag, 15. Mai 2009
Die Parabel von den treulosen Verwaltern
Eines Tages trat ein mächtiger, reicher Mann eine lange Auslandsreise an. Er rief seine Bediensteten zu sich und setzte sie als Verwalter über sein gesamtes Vermögen ein. Dem ersten vertraute er Aktien im Wert von 100 Jahreslöhnen an, dem zweiten Aktien im Wert von 40 und dem dritten in Höhe von 20 Jahreslöhnen. Der Wert der Papiere entsprach bei allen drei genau ihren jeweiligen Fähigkeiten. Dann reiste der Mann ab.
Der erste Verwalter begann sofort, mit den anvertrauten Wertpapieren zu arbeiten. Er erzielte große Gewinne und hatte die Summe bald verdoppelt. Das reichte ihm aber nicht. Als er seinen Erfolg sah, wurde er unvorsichtig und begann, in Geschäfte zu investieren, die seine finanziellen Kapazitäten bei weitem überstiegen. Er verhielt sich so, als würde die ihm anvertraute Summe nicht 100 sondern 200 Jahreslöhne umfassen. Schließlich rächte sich sein riskantes Verhalten. Er verlor viel Geld. Am Ende hatte er wieder genau den Wert erwirtschaftet, den ihm der Besitzer des Geldes zur Verwaltung anvertaut hatte: einen Betrag im Wert von 100 Jahreslöhnen.
Dem Zweiten erging es ähnlich. Auch er arbeitete sofort an der Vermehrung des ihm anvertauten Betrages. Nach anfänglichen Erfolgen betrug die Summe einen Wert von nicht mehr 40, sondern 80 Jahreslöhnen. Aber auch er ließ sich durch seinen schnellen Gewinn zu riskanten Spekulationen hinreißen und verlor. Am Ende blieb ihm die Summe, die ihm der Besitzer des Geldes zur Verwaltung anvertraut hatte: ein Betrag im Wert von 40 Jahreslöhnen.
Der dritte Verwalter verfolgte das Schicksal seiner beiden Kollegen und war darüber erschrocken, denn er schätzte ihre Fähigkeiten sehr hoch ein. Als er sah, welchen Misserfolg sie hatten, verließ ihn der Mut. Er versteckte die ihm anvertrauten Wertpapiere unter seiner Matratze und wartete ängstlich auf die Rückkehr des Besitzers. Bevor er etwas von dessen Geld verlor, wollte er ihm lieber alles unverrichteter Dinge zurückgeben.
Nach sehr langer Zeit kehrte der reiche und mächtige Mann aus dem Ausland zurück und rief seine Bediensteten zu sich. Er wollte die Ergebnisse ihrer Arbeit sehen. Zunächst sprach der erste Verwalter bei ihm vor. „Lieber Herr“, sagte er zaghaft, „sie haben mir Wertpapiere im Wert von 100 Jahreslöhnen anvertraut. Ich habe sie leider verloren. Dafür habe ich aber andere Aktien erworben, die insgesamt denselben Wert haben. Hier haben sie ihr Geld zurück.“ Das Gesicht des reichen, mächtigen Mannes nahm einen irritierten Ausdruck an. „Wie konnte das passieren?“ fragte er unwillig. „Ich weiß genau, wozu du fähig bist und dass du deiner Aufgabe gewachsen warst. Wieso hast du nicht mehr erwirtschaftet? Was ist schief gelaufen?“ „Ich habe mich verspekuliert“, gab der erste Verwalter kleinlaut zu. „Als ich meinen anfänglichen Erfolg sah, glaubte ich, dass ich noch mehr für dich aus deinen Papieren herausholen konnte. Leider habe ich mich dabei überschätzt.“ „Wolltest du tatsächlich mehr für mich?“ fragte der Besitzer grimmig. „Ich habe nie verlangt, dass du über deine Möglichkeiten hinausgehst! Oder war es nicht vielmehr so, dass du dir selbst beweisen wolltest, wozu du in der Lage bist?“
Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, wandte er sich an den zweiten Verwalter. „Und du?“ fragte er ihn. „Wie ist es dir ergangen?“ „Lieber, guter Herr“, flüsterte dieser aufgeregt. „Sie haben mir Papiere im Wert von 40 Jahreslöhnen anvertraut. Leider muss auch ich gestehen, dass ich sie verloren habe. Es ist mir aber gelungen“, fügte er etwas lauter hinzu, „andere Papiere zu erwerben, so dass ich ihnen jetzt Aktien im gleichen Wert wieder zurückgeben kann.“ „Um die ich dich nie gebeten habe“, versetzte der Besitzer scharf. „Hast du für dein Missgeschick eine Erklärung?“ „Ich dachte“, der zweite Verwalter rang um Fassung, „viel hilft viel.“ Die Stimme des Besitzers wurde ätzend. „Dann bist also auch du an dem Versuch gescheitert, das allermeiste für mich herauszuholen …!“ Der zweite Verwalter starrte auf seine Fußspitzen. „So ist es“, hauchte er, ohne aufzusehen.
Es entstand eine peinliche Stille, als der reiche, mächtige Mann sich dem dritten Verwalter zuwandte und ihn musterte. „Nun“, sagte er schließlich. „Was hast du mir zu sagen?“ „Mein lieber, mein guter, mein allerbester Herr“, stammelte der Mann. „Ich darf von mir behaupten, dass ich ihre Aktien im Wert von 20 Jahreslöhnen noch immer habe.“ Die Miene des Besitzers hellte sich auf. „Na, immerhin“, sagte er erleichtert. „Ich weiß aber nicht“, der dritte Verwalter plapperte nervös weiter, ohne auf den Besitzer einzugehen, „ob sie noch immer so viel Wert sind, denn ich habe nichts mit ihnen angestellt. Als ich den Misserfolg meiner beiden Kollgen sah, zog ich es vor, die Wertpapiere unter meiner Matratze zu verstecken. Hier haben sie sie zurück.“
Wortlos und mit starrem Gesicht betrachtete der Besitzer seine Verwalter. Seine Stimme klang gepresst, als er sie schließlich anprach. „Idioten. Ich habe euch mit Aufgaben betraut, denen ihr gewachsen wart. Jeder von euch war in der Lage, aus dem, was er hatte, mehr zu machen. Aber anstatt das zu tun, wozu ihr fähig wart, habt ihr euch von Ehrgeiz, Selbstüberschätzung oder falscher Demut leiten lassen. Das war verantwortungslos. Ihr habt mir geschadet. Sucht euch einen anderen Job.“
Mit diesen Worten setzte der reiche, mächtige Mann seine treulosen Verwalter vor die Tür und suchte sich andere.
Der erste Verwalter begann sofort, mit den anvertrauten Wertpapieren zu arbeiten. Er erzielte große Gewinne und hatte die Summe bald verdoppelt. Das reichte ihm aber nicht. Als er seinen Erfolg sah, wurde er unvorsichtig und begann, in Geschäfte zu investieren, die seine finanziellen Kapazitäten bei weitem überstiegen. Er verhielt sich so, als würde die ihm anvertraute Summe nicht 100 sondern 200 Jahreslöhne umfassen. Schließlich rächte sich sein riskantes Verhalten. Er verlor viel Geld. Am Ende hatte er wieder genau den Wert erwirtschaftet, den ihm der Besitzer des Geldes zur Verwaltung anvertaut hatte: einen Betrag im Wert von 100 Jahreslöhnen.
Dem Zweiten erging es ähnlich. Auch er arbeitete sofort an der Vermehrung des ihm anvertauten Betrages. Nach anfänglichen Erfolgen betrug die Summe einen Wert von nicht mehr 40, sondern 80 Jahreslöhnen. Aber auch er ließ sich durch seinen schnellen Gewinn zu riskanten Spekulationen hinreißen und verlor. Am Ende blieb ihm die Summe, die ihm der Besitzer des Geldes zur Verwaltung anvertraut hatte: ein Betrag im Wert von 40 Jahreslöhnen.
Der dritte Verwalter verfolgte das Schicksal seiner beiden Kollegen und war darüber erschrocken, denn er schätzte ihre Fähigkeiten sehr hoch ein. Als er sah, welchen Misserfolg sie hatten, verließ ihn der Mut. Er versteckte die ihm anvertrauten Wertpapiere unter seiner Matratze und wartete ängstlich auf die Rückkehr des Besitzers. Bevor er etwas von dessen Geld verlor, wollte er ihm lieber alles unverrichteter Dinge zurückgeben.
Nach sehr langer Zeit kehrte der reiche und mächtige Mann aus dem Ausland zurück und rief seine Bediensteten zu sich. Er wollte die Ergebnisse ihrer Arbeit sehen. Zunächst sprach der erste Verwalter bei ihm vor. „Lieber Herr“, sagte er zaghaft, „sie haben mir Wertpapiere im Wert von 100 Jahreslöhnen anvertraut. Ich habe sie leider verloren. Dafür habe ich aber andere Aktien erworben, die insgesamt denselben Wert haben. Hier haben sie ihr Geld zurück.“ Das Gesicht des reichen, mächtigen Mannes nahm einen irritierten Ausdruck an. „Wie konnte das passieren?“ fragte er unwillig. „Ich weiß genau, wozu du fähig bist und dass du deiner Aufgabe gewachsen warst. Wieso hast du nicht mehr erwirtschaftet? Was ist schief gelaufen?“ „Ich habe mich verspekuliert“, gab der erste Verwalter kleinlaut zu. „Als ich meinen anfänglichen Erfolg sah, glaubte ich, dass ich noch mehr für dich aus deinen Papieren herausholen konnte. Leider habe ich mich dabei überschätzt.“ „Wolltest du tatsächlich mehr für mich?“ fragte der Besitzer grimmig. „Ich habe nie verlangt, dass du über deine Möglichkeiten hinausgehst! Oder war es nicht vielmehr so, dass du dir selbst beweisen wolltest, wozu du in der Lage bist?“
Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, wandte er sich an den zweiten Verwalter. „Und du?“ fragte er ihn. „Wie ist es dir ergangen?“ „Lieber, guter Herr“, flüsterte dieser aufgeregt. „Sie haben mir Papiere im Wert von 40 Jahreslöhnen anvertraut. Leider muss auch ich gestehen, dass ich sie verloren habe. Es ist mir aber gelungen“, fügte er etwas lauter hinzu, „andere Papiere zu erwerben, so dass ich ihnen jetzt Aktien im gleichen Wert wieder zurückgeben kann.“ „Um die ich dich nie gebeten habe“, versetzte der Besitzer scharf. „Hast du für dein Missgeschick eine Erklärung?“ „Ich dachte“, der zweite Verwalter rang um Fassung, „viel hilft viel.“ Die Stimme des Besitzers wurde ätzend. „Dann bist also auch du an dem Versuch gescheitert, das allermeiste für mich herauszuholen …!“ Der zweite Verwalter starrte auf seine Fußspitzen. „So ist es“, hauchte er, ohne aufzusehen.
Es entstand eine peinliche Stille, als der reiche, mächtige Mann sich dem dritten Verwalter zuwandte und ihn musterte. „Nun“, sagte er schließlich. „Was hast du mir zu sagen?“ „Mein lieber, mein guter, mein allerbester Herr“, stammelte der Mann. „Ich darf von mir behaupten, dass ich ihre Aktien im Wert von 20 Jahreslöhnen noch immer habe.“ Die Miene des Besitzers hellte sich auf. „Na, immerhin“, sagte er erleichtert. „Ich weiß aber nicht“, der dritte Verwalter plapperte nervös weiter, ohne auf den Besitzer einzugehen, „ob sie noch immer so viel Wert sind, denn ich habe nichts mit ihnen angestellt. Als ich den Misserfolg meiner beiden Kollgen sah, zog ich es vor, die Wertpapiere unter meiner Matratze zu verstecken. Hier haben sie sie zurück.“
Wortlos und mit starrem Gesicht betrachtete der Besitzer seine Verwalter. Seine Stimme klang gepresst, als er sie schließlich anprach. „Idioten. Ich habe euch mit Aufgaben betraut, denen ihr gewachsen wart. Jeder von euch war in der Lage, aus dem, was er hatte, mehr zu machen. Aber anstatt das zu tun, wozu ihr fähig wart, habt ihr euch von Ehrgeiz, Selbstüberschätzung oder falscher Demut leiten lassen. Das war verantwortungslos. Ihr habt mir geschadet. Sucht euch einen anderen Job.“
Mit diesen Worten setzte der reiche, mächtige Mann seine treulosen Verwalter vor die Tür und suchte sich andere.
Freitag, 8. Mai 2009
Endlich: Die neue Profi-Christ-Folge
So wie angekündigt, geht es endlich wieder weiter mit einer neuen Folge von Profi-Christ. Auf diese Folge bin ich besonders stolz. Holt euch was Schönes zu trinken und ziehts euch rein. Viel Spaß.
Montag, 4. Mai 2009
alles anders
Seit drei Monaten ist das Leben anders. Ich bin jetzt kein christlicher Vollzeitler mehr, sondern nur noch ein christlicher Teilzeitler. Das ist ein seltsames Gefühl. Denn bisher bestand mein Beruf zu einem sehr großen Teil darin, dass ich mir Arbeitsfelder suchte und mich dann anschließend selbst in den Arsch trat, um genügend zu arbeiten und Projekte abzuschließen. Das funktionierte ganz gut. Mein sensibles Gewissen half mir dabei, indem es mir permanent signalisierte, ich würde zu wenig tun.
Jetzt ist das Leben, wie gesagt, anders. Ich suche die Arbeitsfelder nicht mehr, sondern sie kommen zu mir und betteln darum, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Und ich sage dann: Nein. Mein Gewissen dagegen kann sich nicht entscheiden, in welche Richtung es mir Druck machen soll. Manchmal behauptet es, dass ich zu viel arbeite, fällt dann aber wieder zurück in alte Gewohnheiten und behauptet das Gegenteil. Es macht mich mit seinem Hin und Her ganz wuschig. Manchmal stehe ich vom Schreibtisch auf, weil ich genug gearbeitet habe. Und dann bleibt mein innerer Schweinehund einfach sitzen und will weiterarbeiten. Möglicherweise erlebe ich gerade so eine Art Persönlichkeitsspaltung. Die Integration der beiden Personen ist jedoch im vollen Gange. Noch ist Hoffnung.
Übrigens arbeite ich deshalb prinzipiell nicht weniger. Der übriggebliebene Rest meiner Schaffenskraft kommt meiner Familie zugute. Denn meine Frau steht jetzt auch im Beruf. Irgendwer muss also das übernehmen, was sie vorher gemacht hat. Das bin dann wohl ich. Unsere Wohnung sieht aus wie ein Saustall. Ich sollte jetzt aufhören.
Jetzt ist das Leben, wie gesagt, anders. Ich suche die Arbeitsfelder nicht mehr, sondern sie kommen zu mir und betteln darum, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Und ich sage dann: Nein. Mein Gewissen dagegen kann sich nicht entscheiden, in welche Richtung es mir Druck machen soll. Manchmal behauptet es, dass ich zu viel arbeite, fällt dann aber wieder zurück in alte Gewohnheiten und behauptet das Gegenteil. Es macht mich mit seinem Hin und Her ganz wuschig. Manchmal stehe ich vom Schreibtisch auf, weil ich genug gearbeitet habe. Und dann bleibt mein innerer Schweinehund einfach sitzen und will weiterarbeiten. Möglicherweise erlebe ich gerade so eine Art Persönlichkeitsspaltung. Die Integration der beiden Personen ist jedoch im vollen Gange. Noch ist Hoffnung.
Übrigens arbeite ich deshalb prinzipiell nicht weniger. Der übriggebliebene Rest meiner Schaffenskraft kommt meiner Familie zugute. Denn meine Frau steht jetzt auch im Beruf. Irgendwer muss also das übernehmen, was sie vorher gemacht hat. Das bin dann wohl ich. Unsere Wohnung sieht aus wie ein Saustall. Ich sollte jetzt aufhören.
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